
Du willst deinen Code selbst hosten – auf einer eigenen Plattform, mit Issues, Pull Requests und Code-Reviews, ohne dass alles bei GitHub in den USA liegt. Die erste Suche führt fast zwangsläufig zu GitLab. Mächtig, keine Frage. Aber wenn du dir die Systemanforderungen ansiehst, stockst du kurz: GitLab empfiehlt für einen einzelnen Server rund 16 GB RAM als Ausgangsbasis. Für ein Git-Hosting? Für dein Team oder deinen Verein?
Die Frage ist berechtigt: Brauchst du wirklich die komplette DevOps-Maschinerie – oder reicht eine schlanke Git-Plattform, die auch auf kleiner Hardware läuft? Genau hier kommt Forgejo ins Spiel.
Das Wichtigste in Kürze
- Forgejo ist eine community-getragene Git-Plattform, entstanden 2022 als Fork von Gitea. Das gesamte Projekt liegt beim gemeinnützigen Codeberg e.V. (Sitz in Berlin) – nicht in Firmenhand.
- Der Funktionsumfang deckt alles ab, was die meisten Teams brauchen: Git-Hosting, Issues, Pull Requests, Code-Review, Wiki, Releases, eine Paket-Registry und mit Forgejo Actions auch CI/CD.
- Forgejo läuft als einzelnes Programm (Go-Binary) schon auf sehr kleiner Hardware. GitLab ist eine vielteilige Plattform mit entsprechend höherem Ressourcenbedarf.
- GitLab ist die vollständige DevOps-Plattform – mit tiefen CI/CD-Pipelines, integriertem Security-Scanning, Container-Registry, Projektmanagement-Features und umfangreichen Enterprise-Funktionen (Open-Core-Modell, die stärksten Features kosten).
- Faustregel: Für die meisten kleinen Entwickler-Teams reicht Forgejo. GitLab lohnt sich, wenn du die integrierte End-to-End-DevOps-Kette wirklich brauchst.
Was ist Forgejo?
Forgejo (angelehnt an das Esperanto-Wort für „Schmiede") ist eine sogenannte Forge – eine Plattform, auf der Teams gemeinsam an Software arbeiten. Entstanden ist das Projekt im Oktober 2022 als Abspaltung von Gitea. Der Auslöser: Die Domains und Markenrechte von Gitea gingen an ein gewinnorientiertes Unternehmen über – ohne Einbindung der Community, die das Projekt getragen hatte. Ein Teil dieser Community zog daraus die Konsequenz und gründete Forgejo.
Anfang 2024 wurde aus dem anfänglichen „Soft-Fork", der Gitea nur spiegelte, ein echter Hard-Fork: Der Code entwickelt sich seitdem bewusst eigenständig weiter. Getragen wird das Ganze vom Codeberg e.V., einem gemeinnützigen Verein aus Berlin. Wichtig zu verstehen: Der Verein steuert nicht inhaltlich, sondern hält die kritischen Assets treuhänderisch, damit sie nicht wieder in Einzel- oder Firmenhand landen. Die Entscheidungen treffen die Mitwirkenden gemeinsam.
Der aktuelle Stand ist die LTS-Version 15 (April 2026) – „LTS" steht für Long-Term Support, also eine Version mit besonders langer Pflege. Forgejo ist vollständig freie Software unter der GPLv3.
Was Forgejo mitbringt
- Git-Hosting mit Repositories, Branches, Tags
- Issues und Pull Requests mit Code-Review, Kommentaren und Freigaben
- Wiki, Releases und eine integrierte Paket-Registry – inklusive Container-Registry für Docker-/OCI-Images
- Forgejo Actions – eine CI/CD-Funktion, die sich stark an GitHub Actions anlehnt
Wichtig: Forgejo Actions ist an die Syntax von GitHub Actions angelehnt, aber nicht garantiert kompatibel. Viele Workflows lassen sich übernehmen, GitHub-spezifische Details musst du unter Umständen anpassen. Der Forgejo Runner – das Programm, das die Workflows ausführt – wurde Ende 2024 einem Sicherheits-Audit unterzogen. Und seit die Funde behoben sind, gilt auch das CI-System als produktionsreif.
Übrigens: Ein erklärtes Fernziel von Forgejo ist die Föderation – die Idee, dass verschiedene Forge-Instanzen miteinander vernetzt werden (ähnlich wie im Fediverse). Das ist bislang aber ausdrücklich experimentell und noch kein Feature, auf das du dich im Alltag verlassen solltest.
Forgejo vs. GitLab im Vergleich

| Dimension | Forgejo | GitLab |
|---|---|---|
| Ausrichtung | Schlanke, fokussierte Git-Forge | Vollständige DevOps-Plattform |
| Architektur | Ein einzelnes Go-Programm | Vielteilig (Datenbank, Worker, Caches u.a.) |
| Ressourcen | Läuft auf sehr kleiner Hardware | Offizielle Baseline ~16 GB RAM / 8 CPU-Kerne |
| CI/CD | Forgejo Actions (GitHub-Actions-ähnlich) | Ausgereifte, tief integrierte Pipelines |
| Security-Scanning | Nicht der Fokus | Integriert (teils nur in bezahlten Tarifen) |
| Lizenz/Modell | Vollständig frei (GPLv3), gemeinnützig getragen | Open Core: Basis frei (MIT), Enterprise-Features kostenpflichtig |
| Zielgruppe | Freelancer, kleine Teams, Vereine | Organisationen mit End-to-End-DevOps-Bedarf |
Ressourcen: der praktische Unterschied
Das ist im Alltag oft der entscheidende Punkt. GitLab besteht aus vielen Einzeldiensten – Datenbank, Hintergrund-Worker, Caching, Web-Server und mehr. Das ist der Preis für den Funktionsumfang, kostet aber Arbeitsspeicher: Die offizielle Empfehlung für einen einzelnen Server liegt bei 16 GB RAM und 8 CPU-Kernen.
Forgejo dagegen kommt als ein ein einziges, eigenständiges Programm ("single executable") daher. Selbst eine dedizierte MySQL- oder Postgres-Datenbank ist optional. Es läuft komfortabel auf einem Bruchteil dieser Ressourcen – für kleine Teams reicht schon eine sehr kleine Maschine. Für dich als Nutzer:in eines managed Angebots heißt das vor allem eins: Ein Forgejo-Paket ist günstiger zu betreiben als eine vergleichbar dimensionierte GitLab-Instanz.
Wann reicht Forgejo, wann brauchst du GitLab?
Forgejo ist die richtige Wahl, wenn du...
- ...primär Code hosten, gemeinsam an Repositories arbeiten, Issues verwalten und Reviews machen willst.
- ...moderate CI/CD brauchst, aber keine ausgefeilte Pipeline-Landschaft.
- ...eine ressourcenschonende, günstige Lösung suchst – ideal für Freelancer, kleine Teams und Vereine.
- ...Wert auf vollständig freie Software unter gemeinnütziger Trägerschaft legst.
GitLab ist die richtige Wahl, wenn du...
- ...die integrierte End-to-End-DevOps-Kette brauchst: umfangreiche Pipelines, Deployment-Automatisierung, Umgebungs-Management.
- ...integriertes Security-Scanning (Code- und Container-Analyse) und ausgefeilte Governance-Funktionen benötigst.
- ...ein größeres Team mit Enterprise-Anforderungen an Berechtigungen und Reporting hast.
- ...bereit bist, dafür mehr Ressourcen – und bei den Premium-Features auch Lizenzkosten – einzuplanen.
Übrigens: Auch GitLab gibt es als managed Service bei server.camp – die Entscheidung zwischen schlank und vollausgestattet musst du also nicht vom Hosting-Aufwand abhängig machen.
Migration: Von Gitea, GitHub oder GitLab zu Forgejo
Wenn du bereits Gitea nutzt, ist Forgejo dein natürlicher Nachfolger und online finden sich zahlreiche Migrations-Anleitungen (wenngleich es keinen offiziellen Guide mehr gibt). Eine Grenze solltest du aber kennen: Offiziell unterstützt wird der Umstieg nur von Gitea bis Version 1.22, über den Zwischenschritt Forgejo v10. Bist du mit Gitea schon auf einer neueren Version, gibt es keinen garantierten Weg mehr – wer wechseln will, sollte es also nicht zu lange aufschieben.
Kommst du von GitHub oder GitLab, hat Forgejo eine eingebaute Import-Funktion: Du gibst das Quell-Repository an, Forgejo zieht es samt Historie herüber. Wie vollständig dabei auch die Metadaten – Issues, Pull Requests, Labels, Milestones – übernommen werden, hängt von der Quelle und dem genutzten Weg ab. Der Code und die Git-Historie kommen zuverlässig mit; bei den Drumherum-Daten lohnt sich ein Testlauf, bevor du endgültig umziehst.
Praxis-Tipp: Migriere zuerst ein einzelnes, überschaubares Repository und prüfe, ob alles Wichtige mitgekommen ist. Erst danach den Rest.
Die Details zum Aufsetzen und zu den Git-Workflows findest du in der Forgejo-Dokumentation von server.camp.
Häufige Fragen zu Forgejo
Ist Forgejo kostenlos? Ja. Forgejo ist vollständig freie Software unter der GPLv3. Wenn du es dir nicht selbst auf einen Server stellen willst, kannst du es als managed Service bei server.camp buchen – dann zahlst du nur für den Betrieb, nicht pro Kopf.
Kann ich meine GitHub-Actions-Workflows weiterverwenden? Teilweise. Forgejo Actions ist an GitHub Actions angelehnt und viele Workflows funktionieren direkt oder mit kleinen Anpassungen. Eine hundertprozentige Kompatibilität ist aber nicht garantiert, gerade bei GitHub-spezifischen Funktionen.
Ist Forgejo dasselbe wie Gitea? Nicht mehr. Beide teilen die gleiche Wurzel, aber seit 2024 entwickeln sie sich getrennt. Forgejo wird community-getragen und gemeinnützig verwaltet, Gitea steht unter der Kontrolle eines Unternehmens.
Brauche ich Admin-Kenntnisse, um Forgejo zu betreiben? Zum Selbst-Hosten definitiv. Als managed Produkt nimmt dir server.camp Installation, Updates und Backups ab – du arbeitest nur mit der Weboberfläche. Und wenn du da nicht weiterkommst, kannst du auf unseren Support zurückgreifen.
Fazit
Ob Forgejo oder GitLab die richtige Wahl ist, hängt vor allem davon ab, wie viel DevOps du wirklich brauchst. GitLab ist eine beeindruckende Plattform, die die gesamte Entwicklungskette abdeckt – aber diese Tiefe hat ihren Preis, bei den Ressourcen wie bei den Premium-Features.
Für viele Freelancer, kleine Teams und Vereine ist genau das aber überdimensioniert. Wer Code hosten, gemeinsam daran arbeiten und ab und zu eine Pipeline laufen lassen will, ist mit Forgejo schlank, günstig und vollständig quelloffen unterwegs – getragen von einer gemeinnützigen Community statt von einem Unternehmen. Und falls du irgendwann doch mehr brauchst, ist der Wechsel keine Einbahnstraße.
Wenn du Forgejo ausprobieren willst, ohne dich um Server, Updates und Backups zu kümmern, ist ein managed Forgejo-Setup bei server.camp der einfachste Einstieg – EU-gehostet und DSGVO-konform. Wie so ein durchdachter Werkzeugkasten für ein junges Unternehmen aussieht, zeigt übrigens unser Beitrag zum perfekten IT-Setup für dein Startup.