
Wer mit Node-RED arbeitet, kennt das vertraute Bild: Palette links, Flows in der Mitte, alles andere rechts in der Sidebar. Genau dieses Bild hat sich über Jahre kaum verändert – bis jetzt. Am 9. Juni 2026 ist Node-RED 5.0 erschienen, und das Team nennt es selbst die größte Änderung der Editor-Erfahrung in der Geschichte des Projekts.
Denn diesmal ist es keine reine Versions-Erhöhung mit kleinen kosmetischen Änderungen. Das Team hat vier Bereiche gleichzeitig angepackt: die Oberfläche, neue Funktionen, die Sicherheit und die Infrastruktur unter der Haube. Hier sortieren wir, was wirklich neu ist – und worauf du beim Upgrade achten solltest. Falls du Node-RED noch nicht kennst: In einer Woche folgt ein eigener Blogbeitrag, der das Tool von Grund auf erklärt.
Das Wichtigste in Kürze
- Komplett überarbeitete Sidebars: Du kannst jetzt zwei Panels gleichzeitig anzeigen, indem du eine Sidebar horizontal teilst – z.B. das Debug-Panel dauerhaft unten sichtbar halten. Panels lassen sich per Drag-and-Drop frei anordnen.
- Eingebautes Dark Theme: Node-RED bringt endlich von Haus aus ein dunkles Design mit, das automatisch deiner Browser- bzw. OS-Einstellung folgt.
- Funktionale Highlights: Debug-Ausgabe pausierbar, Link-Nodes direkt aus dem Function-Node aufrufbar (
node.linkcall), Burst-Modus für den Delay-Node. - Sicherheit gehärtet: Mehr TLS-Optionen (PFX/P12, Umgebungsvariablen, SNI), OAuth mit Token-Exchange, npm jetzt feste Abhängigkeit.
- Voraussetzung Node.js: Mindestens Node.js 22.9, empfohlen Node.js 24. Alte Raspberry Pis (3b und älter) werden nicht mehr unterstützt.

Ein modernisierter Editor
Die größte Änderung steckt in der Oberfläche. Das Team hat das Layout neu durchdacht – mit Fokus auf besseren Informationsfluss und mehr Barrierefreiheit. Es fühlt sich vertraut an, holt aber deutlich mehr aus dem verfügbaren Platz heraus.
Neu gestaltete Sidebars
Früher war die Sidebar auf der rechten Seite ein Sammelbecken, dessen Panels sich hinter einem schwer auffindbaren Dropdown versteckten. Jetzt verhalten sich beide Seiten des Editors gleich – und vor allem kannst du zwei Panels gleichzeitig anzeigen, indem du eine Sidebar horizontal teilst. So bleibt etwa das Debug-Panel dauerhaft sichtbar, während du oben mit einem anderen arbeitest. Panels lassen sich außerdem per Drag-and-Drop an einer kleinen Kopfzeile packen und beliebig andocken.
Explorer und Information statt „Info“
Die alte Info-Sidebar wurde in zwei eigenständige Panels aufgeteilt:
- Der Explorer dient zur Navigation durch deine Flows und Nodes. Passend zur Lese-Konvention von links nach rechts ist er jetzt das Standard-Panel oben links.
- Das Information-Panel zeigt Details zu dem, was du gerade ausgewählt hast, und sitzt standardmäßig oben rechts.
Endlich: ein eingebautes Dark Theme
Node-RED bringt nun von Haus aus ein Dark Theme mit. Der Editor wählt das helle oder dunkle Design automatisch anhand deiner Browser- bzw. Betriebssystem-Einstellung – oder du legst es in den Benutzereinstellungen fest. Auch Drittanbieter-Themes können jetzt eine helle und eine dunkle Variante in einem Paket mitbringen, zwischen denen der Editor automatisch umschaltet.
Barrierefreiheit
Bessere Barrierefreiheit zieht sich als roter Faden durch das Release: passende ARIA-Attribute, touch-freundlichere Dropdown-Menüs und an mehreren Stellen verbesserter Kontrast. Zwei Punkte fallen im Alltag besonders auf:
- Auswahl-Darstellung: Ausgewählte Nodes werden jetzt mit einem blauen Schein ("Halo") umrandet, statt nur die Node-Umrandung zu ändern. Das macht die Auswahl leichter erkennbar und kollidiert kaum noch mit der Farbe des Node-Körpers.
- Pan und Zoom: Verschieben geht weiterhin mit der mittleren Maustaste – wer keine hat, hält jetzt einfach die Leertaste gedrückt und zieht mit der linken. Neu ist außerdem ein „Zoom to fit“-Button in der Statusleiste, der die Ansicht so anpasst, dass alle Nodes sichtbar sind.
Node-Dokumentation und Markdown-Alerts
Nodes, denen du im Beschreibungs-Tab zusätzliche Dokumentation hinterlegt hast, zeigen jetzt ein Badge im Arbeitsbereich an; ein Klick darauf öffnet die Doku als Pop-up. Das Markdown im Editor unterstützt außerdem Alerts im GitHub-Stil: Ein Marker wie > [!IMPORTANT] oder > [!WARNING] wird als hervorgehobener Hinweis-Kasten gerendert.

Praxis-Tipp: Ein paar neue Tastenkürzel sparen Zeit – etwa Strg-G P für die Palette und Strg+G E für den Explorer, dazu eine Aktion zum Umschalten der Pausierung im Debugger.
Funktionale Erweiterungen
Neben der Optik gibt es einige Funktionen, die echte Workflow-Verbesserungen bringen.
Debug-Ausgabe pausieren
Ein lange gewünschtes Feature: Du kannst die Debug-Sidebar jetzt pausieren – über einen Schalter in der Kopfzeile. Im pausierten Zustand scrollt das Panel nicht weiter, neu eintreffende Nachrichten werden verworfen. Wer schon einmal versucht hat, in einem schnell durchrauschenden Debug-Stream eine bestimmte Nachricht zu fixieren, weiß das zu schätzen.
Link-Nodes aus dem Function-Node aufrufen
Du kannst jetzt aus einem Function-Node heraus einen Link-Node aufrufen und auf eine Antwort warten. Hast du etwa einen Flow für Datenbankabfragen in Link-Nodes gekapselt, rufst du ihn so aus dem Code auf:
const { payload: data } = await node.linkcall('query-database', { query: "SELECT * FROM T1" })
Du übergibst node.linkcall den Namen oder die ID des link in-Nodes und die Nachricht, die du senden willst. Das macht modulare Flows eleganter, weil du die Logik nicht mehr nur über die visuelle Verdrahtung, sondern auch direkt im Code ansteuern kannst.
Burst-Modus für den Delay-Node
Das Rate Limiting des Delay-Nodes hat eingehende Nachrichten bisher gleichmäßig gemäß der konfigurierten Rate verteilt. Neu ist ein Burst-Modus: Hier lässt der Node Nachrichten in ihrer Ankunftsgeschwindigkeit durch, bis das Limit erreicht ist – danach blockiert er sie bis zum nächsten Zeitintervall. Kleiner Bonus: Die Auswahllisten der Nodes Link, Complete, Catch und Status sind jetzt alphabetisch sortiert.
Node- und Sicherheits-Updates
Beim Thema sichere Verbindungen hat der TLS-Konfigurations-Node deutlich mehr Optionen bekommen: TLS-Zertifikate und -Schlüssel lassen sich jetzt aus einer PFX/P12-Datei oder aus Umgebungsvariablen laden, und der HTTP-Request-Node kann den TLS-SNI-Servernamen setzen. Bei der Authentifizierung des Editors nutzen OAuth-Logins jetzt ein Token-Exchange-Muster, und die standardmäßigen Admin-CORS-Regeln wurden entfernt.
Dazu kommen kleinere Änderungen: Der im Function-Node verwendete Monaco-Code-Editor ist auf dem neuesten Stand, und neue Credentials-Dateien werden jetzt neben der Flows-Datei abgelegt statt im User-Verzeichnis.
Unter der Haube
Node-RED 5.0 setzt mindestens Node.js 22.9.0 voraus. Mit Blick auf den Node.js-Supportplan empfiehlt das Team Node.js 24 LTS – worauf auch die offiziellen Docker-Images basieren.
Wichtig: Da das Node.js-Projekt keine 32-bit ARM-Images (arm/v7) mehr erstellt, läuft Node-RED 5 nicht mehr auf älteren Raspberry Pis (3b und älter), weil diese das benötigte 64-bit OS nicht ausführen können. Wer Node-RED auf einem solchen Gerät betreibt, sollte vor dem Upgrade die Hardware prüfen.
Außerdem ist npm ab diesem Release eine explizite Abhängigkeit von Node-RED, statt nur im Pfad verfügbar sein zu müssen. Das gibt dem Team mehr Kontrolle und schließt einige potenzielle Sicherheitslücken.
Gibt es Node-RED 5 schon bei server.camp?
Wir haben die neue Version bereits vor einigen Tagen ausgerollt – frisch gebuchte Instanzen starten direkt mit 5.x, und bestehende Setups haben wir nach internen Tests automatisch nachgezogen. Um Node.js-Version, Hardware-Voraussetzungen und die Migration musst du dich also nicht selbst kümmern.
Solltest du als Self-Hoster jetzt upgraden?
Node-RED 5.0 ist ein Major-Release mit einigen Breaking Changes – ein Upgrade will also kurz vorbereitet sein. Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
| Thema | Was zu beachten ist |
|---|---|
| Node.js-Version | Mindestens 22.9, empfohlen 24. Ältere Node.js-Versionen werden nicht mehr unterstützt. |
| Hardware | Raspberry Pi 3b und älter fallen raus (kein 64-Bit-OS). |
| Sicherheit | Entfernte Admin-CORS-Standardregeln und das geänderte OAuth-Verhalten können bestehende Setups betreffen. |
| Credentials | Neue Credentials-Dateien landen jetzt neben der Flows-Datei – relevant für Backup- und Deployment-Skripte. |
| Oberfläche | Das neue Layout fühlt sich vertraut an, Team-Mitglieder sollten die umgezogenen Panels (Explorer/Information) aber kurz kennenlernen. |
Praxis-Tipp: Wenn du auf Nummer sicher gehen willst: Erst ein Backup deiner Flows und Credentials anlegen, das Update auf einer Testinstanz einspielen und prüfen, ob alle Custom-Nodes mit der neuen Node.js-Version laufen. Ein Blick in die offiziellen Upgrade-Hinweise lohnt vorher.
Häufige Fragen
Muss ich sofort upgraden? Nein. Node-RED 4.x bleibt vorerst im Wartungsmodus und erhält weiterhin Bugfixes und Security-Updates. Neue Features landen aber ausschließlich in der 5er-Linie.
Funktionieren meine Custom-Nodes weiter? In der Regel ja. Der entscheidende Faktor ist meist die Node.js-Version: Nodes, die noch auf sehr alte Node.js-Stände setzen, solltest du vor dem Upgrade testen.
Lohnt sich das Dark Theme allein als Grund? Wenn du viel im Editor arbeitest, ist die Kombination aus Dark Theme, geteilten Sidebars und pausierbarem Debug ein echter Komfortgewinn – die funktionalen Neuerungen wie node.linkcall und der Burst-Modus sind aber das eigentliche Schwergewicht.
Muss ich Node-RED selbst aktualisieren? Nur, wenn du es selbst betreibst. Bei einem managed Node-RED von server.camp übernehmen wir das Upgrade inklusive vorheriger Tests.
Fazit
Node-RED 5.0 ist kein kosmetisches Update, sondern die gründlichste Überarbeitung des Editors seit Bestehen des Projekts. Die geteilten Sidebars und das eingebaute Dark Theme machen den Alltag spürbar angenehmer, während Features wie das Pausieren der Debug-Ausgabe, node.linkcall und der Burst-Modus des Delay-Nodes echte Workflow-Lücken schließen.
Wer auf aktueller Hardware mit moderner Node.js-Version unterwegs ist, kann das Upgrade nach einem kurzen Test guten Gewissens angehen. Wer noch auf einem alten Raspberry Pi oder einer veralteten Node.js-Version sitzt, sollte zuerst die Voraussetzungen prüfen.
Alle Details zu Node-RED 5 findest du außerdem im offiziellen Blog Post "Version 5.0 released".