
Du hast dir bei uns eine eigene Cloud mit Nextcloud oder Seafile bestellt? Oder betreibst deine Cloud auf einem eigenen Server? Super! Aber jetzt willst du vermutlich auch Office-Dokumente direkt im Browser bearbeiten, ohne sie erst herunterladen und in Word öffnen zu müssen. Vielleicht kennst du das: Die Kollegin legt eine Tabelle an, du öffnest sie lokal, bearbeitest sie und schon habt ihr eine Konfliktdatei! Die Lösung? Ein Online-Editor, der direkt in deine Cloud integriert ist. Und da stehen im Open-Source-Bereich zwei große Kandidaten zur Wahl: OnlyOffice und Collabora Online.
Beide lassen sich bei uns sowohl mit Nextcloud als auch mit Seafile nutzen, sind (größtenteils) Open Source und bieten Editoren für Dokumente, Tabellen und Präsentationen. Unter der Haube gibt es aber doch einige Unterschiede! Wir haben uns beide Tools genauer angeschaut und zeigen dir, für wen sich welche Lösung am besten eignet.
Das Wichtigste in Kürze
Collabora Online ist quasi LibreOffice im Browser. Das gesamte Rendering und die Bearbeitung laufen auf dem Server – dein Browser bekommt lediglich ein Bild der aktuellen Seite angezeigt. OnlyOffice verfolgt einen komplett anderen Ansatz: Hier wird das Dokument direkt im Browser bearbeitet, ähnlich wie bei Google Docs. Der Server dient vor allem zur Synchronisation und Speicherung.
Dieser Architekturunterschiede hat weitreichende Konsequenzen – von der Performance über die Sicherheit bis hin zur Kompatibilität mit Microsoft-Formaten.
Look & Feel

OnlyOffice

Collabora Online
Auch wenn es zahlreiche Quellen gibt, dass OnlyOffice schon die "Ribbon-Oberfläche" (die man von Microsoft Office kennt) und Collabora noch eine klassische Menüstruktur nutzt - beide Online-Editoren nutzen die moderne Ribbon-Oberfläche. In der Variante von OnlyOffice wirkt die Oberfläche vielleicht ein kleines bisschen schlanker, moderner oder aufgeräumter, die Unterschiede sind aber nicht wirklich groß. Umsteiger von Word, Excel & Co finden sich also in beiden Varianten schnell zurecht!
Kompatibilität mit Microsoft-Formaten
Das ist vermutlich der Punkt, der für viele Freelancer:innen und kleine Unternehmen den Ausschlag gibt: Wie gut funktioniert der Austausch mit Kund:innen und Partner:innen, die Microsoft Office nutzen?
OnlyOffice wurde von Grund auf mit DOCX, XLSX und PPTX als nativen Formaten entwickelt. Das bedeutet: Dokumente, die in Microsoft Office erstellt wurden, werden in aller Regel sehr originalgetreu dargestellt – Layouts, Formatierungen und Formeln bleiben weitestgehend erhalten. Gerade wenn du regelmäßig Dokumente mit Externen austauschst, die Microsoft Office nutzen, ist das ein großer Vorteil.
Collabora Online arbeitet hingegen nativ mit dem OpenDocument-Format (ODF: ODT, ODS, ODP). Microsoft-Formate werden zwar unterstützt, intern aber konvertiert. Bei einfachen Dokumenten klappt das meistens gut, bei komplexeren Layouts – z.B. mit verschachtelten Tabellen, speziellen Schriftarten oder aufwendigen Formatierungen – kann es aber durchaus zu Abweichungen kommen. Dafür ist Collabora bei ODF-Dateien in seinem Element und liefert hier eine makellose Darstellung.
Performance und Ressourcenverbrauch
Hier wird es spannend: Da bei Collabora die gesamte Dokumentenverarbeitung auf dem Server stattfindet, braucht der Server deutlich mehr Ressourcen. Im praktischen Alltag heißt das: OnlyOffice fühlt sich in der Regel spürbar schneller und reaktionsschneller an. Tippen, Scrollen, Formatieren – alles passiert quasi in Echtzeit. Bei Collabora kann es je nach Serverauslastung und Internetverbindung zu kleinen Verzögerungen kommen, weil jede Eingabe erst zum Server geschickt und dann als Bild zurückgeliefert wird.
Sicherheit: Server-Rendering vs. Client-Rendering
Der Architekturunterschiede hat auch Auswirkungen auf die Sicherheit, was Collabora einen kleinen Vorteil verschafft: da das Dokument nie den Server verlässt und der Browser nur gerenderte Bilder erhält, ist es deutlich schwieriger, das Originaldokument abzugreifen. Selbst wenn jemand die Browser-Entwicklertools öffnet, findet er dort nur Pixel – keine Dokumentdaten. Collabora kann zusätzlich Wasserzeichen in die gerenderten Bilder einbetten und serverseitig granulare Berechtigungen durchsetzen (z.B. Copy-Paste, Download oder Druck unterbinden).
Bei OnlyOffice wird das Dokument dagegen an den Browser des Nutzers übertragen und dort gerendert. Das ist zwar schneller, bedeutet aber auch, dass das Dokument client-seitig im Speicher liegt. Für die meisten Anwendungsfälle in kleinen Teams ist das kein Problem – aber wer mit besonders sensiblen Daten arbeitet (z.B. Anwaltskanzleien, Gesundheitswesen), sollte diesen Aspekt im Hinterkopf behalten.
Die Unterschiede sind aber hier ehrlicherweise auch eher marginal - auch wenn das Dokument nie den Server verlässt, lassen sich die Inhalte trotzdem kopieren oder durch Screenshots abspeichern.
Open Source: Vollständig vs. Open Core
Ein Punkt, der in der Open-Source-Community oft diskutiert wird: Collabora Online ist vollständig Open Source. Der gesamte Code ist einsehbar, und die Community kann aktiv zum Projekt beitragen. Das schafft Transparenz und Vertrauen – gerade für Organisationen, die auf digitale Souveränität setzen.
OnlyOffice verfolgt dagegen ein sogenanntes „Open Core"-Modell: Die Community Edition ist unter der AGPL v3 lizenziert und damit frei verfügbar, enthält aber gewisse Einschränkungen. Die wichtigste davon: maximal 20 gleichzeitige Verbindungen zum Document Server. Wer mehr braucht, muss auf die kostenpflichtige Enterprise Edition umsteigen, in der Teile des Codes nicht offen einsehbar sind.
Zusammenarbeit in Echtzeit
Beide Suites erlauben die gleichzeitige Bearbeitung von Dokumenten. OnlyOffice bietet dabei zwei Modi: Einen „Fast"-Modus (wie Google Docs, alle Änderungen erscheinen sofort) und einen „Strict"-Modus (Änderungen werden erst nach dem Speichern sichtbar). Collabora bietet den Echtzeit-Modus im Google-Docs-Stil.
Darüber hinaus hat OnlyOffice einen integrierten Chat, über den man direkt im Dokument kommunizieren kann, ohne den Editor zu verlassen. Collabora bietet diese Funktion nicht.
Beide Tools unterstützen Kommentare, Änderungsnachverfolgung (Track Changes) und Versionierung.
Für wen eignet sich was?
Nach all den Details – hier unsere Empfehlung:
OnlyOffice ist die richtige Wahl, wenn du...
- ...regelmäßig DOCX-, XLSX- und PPTX-Dateien mit Externen austauschst und eine möglichst originalgetreue Darstellung brauchst.
- ...von Microsoft Office kommst und Bestandsdokumente weiternutzen möchtest.
- ...ein kleines Team mit wenig parallelen Zugriffen hast.
- ...einen Server mit begrenzten Ressourcen betreibst und trotzdem flüssiges Arbeiten erwartest.
- ...als Freelancer:in schnell und unkompliziert Dokumente bearbeiten willst, ohne über Formatierungsprobleme nachzudenken.
Collabora Online ist die richtige Wahl, wenn du...
- ...Wert auf vollständig quelloffene Software legst und keine proprietären Komponenten möchtest.
- ...primär mit ODF-Formaten arbeitest oder intern keine Microsoft-Formate brauchst.
- ...viele parallele Zugriffe auf den Online-Editor erwartest.
- ...besonders hohe Anforderungen an Datenschutz und Dokumentensicherheit hast (z.B. kein clientseitiges Rendering).
- ...als Verein oder Organisation auf digitale Souveränität setzt und Transparenz über den gesamten Software-Stack wichtig ist.
Fazit
Beide Tools sind beeindruckend leistungsfähige Open-Source-Alternativen zu Google Docs und Microsoft 365 – und beide lassen sich hervorragend in Nextcloud oder Seafile integrieren. Die Wahl hängt letztlich von den eigenen Prioritäten ab: Wer maximale Microsoft-Kompatibilität und Performance will, ist mit OnlyOffice sehr gut beraten. Wer auf vollständige Offenheit, serverseitiges Rendering und bestmöglichen Datenschutz setzt, greift zu Collabora Online.
Bei server.camp haben wir uns zum Ziel gesetzt, gute Open-Source-Anwendungen breiter zugänglich zu machen und z.B. für einen stabilen & sicheren Betrieb und guten Support zu sorgen. Wir bieten auch das Hosting von Nextcloud und Seafile (neben zahlreichen anderen Tools) EU-hosted und DSGVO-konform an. Probier's gerne mal aus – du kannst jede Anwendung 30 Tage lang kostenlos testen!