Twenty CRM vs. HubSpot – Open-Source-CRM für dein Unternehmen

7. August 2026 · 8 Min. · Tobi

Schachspieler setzt zum entscheidenden Zug an – Sinnbild für das Duell Twenty CRM gegen HubSpot

Du brauchst ein CRM für dein Startup. Die erste Google-Suche führt dich unweigerlich zu HubSpot – kostenloser Einstieg, riesiger Funktionsumfang, bekannter Name. Klingt gut. Aber dann wächst dein Team, du brauchst mehr Features, und plötzlich kostet HubSpot mehrere hundert Euro im Monat. Für ein CRM.

Twenty ist ein modernes, quelloffenes CRM, das sich als Alternative zu HubSpot, Salesforce und Pipedrive positioniert. Aber kann ein Open-Source-Projekt mit den etablierten, kommerziellen Tools mithalten? Wir schauen uns an, was geht – und was (noch) nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Twenty ist ein Open-Source-CRM mit Kontaktverwaltung, Deal-Pipeline, E-Mail-Sync, benutzerdefinierten Objekten, Workflow-Automatisierung und API.
  • HubSpot ist eines der bekanntesten CRM-Systeme – mit kostenlosem Einstieg, der bei wachsenden Anforderungen schnell teuer wird.
  • Twenty gewinnt bei Datenhoheit, Flexibilität und Kosten. HubSpot gewinnt bei Marketing-Automation, Reporting und Ökosystem.
  • Für Startups, die primär Sales-Pipeline und Kontaktmanagement brauchen, ist Twenty eine ernsthafte Alternative.
  • Für Teams, die Marketing-Automation, Lead-Scoring und tiefe Integrationen brauchen, ist HubSpot (noch) schwer zu ersetzen.

Twenty: Was kann es?

Twenty ist erst seit 2023 auf dem Markt und hat sich seitdem rasant entwickelt – inzwischen ist das Projekt bei Version 2 angekommen. Das CRM basiert auf einer modernen Architektur (React, TypeScript, PostgreSQL) und fühlt sich im Browser an wie eine zeitgemäße Anwendung – nicht wie Enterprise-Software aus den 2000ern.

Die Kernfunktionen

Kontakte und Unternehmen: Du verwaltest Personen und Organisationen mit allen relevanten Informationen – Kontaktdaten, Notizen, Aufgaben, Aktivitäts-Historie. Die Ansicht lässt sich zwischen Tabelle und Kanban-Board umschalten.

Kontaktliste in Twenty CRM: Personen mit Name, E-Mail, Firma und Anlagedatum in einer sortierbaren Tabelle

Deal-Pipeline: Deals durchlaufen frei definierbare Phasen (z.B. „Lead“ → „Qualifiziert“ → „Angebot“ → „Verhandlung“ → „Gewonnen/Verloren“). Du siehst auf einen Blick, wie viel (potenzieller) Umsatz in welcher Phase steckt.

Deal-Pipeline in Twenty CRM als Kanban-Board: Karten mit Betrag und Ansprechpartner, verteilt über die Phasen von „New“ bis „Customer“

E-Mail-Integration: Twenty synchronisiert sich mit deinem E-Mail-Konto (IMAP, Gmail oder Outlook). E-Mails werden automatisch dem passenden Kontakt zugeordnet. Du siehst die gesamte Kommunikationshistorie direkt im CRM.

Kalender-Sync: Meetings und Termine werden mit deinem Kalender synchronisiert und in der Kontakt-Timeline angezeigt.

Benutzerdefinierte Objekte und Felder: Du kannst eigene Datentypen erstellen – z.B. „Projekte“, „Verträge“ oder „Produkte“ – und sie mit Kontakten und Unternehmen verknüpfen. Das bringt enorme Flexibilität und ist ein Feature, für das du bei HubSpot in den Enterprise-Plan wechseln müsstest.

Workflow-Automatisierung: Seit Version 2 bringt Twenty eine eigene Automatisierung mit – Auslöser (Trigger) (z.B. eine Datensatzänderung oder ein eingehendes Formular), Bedingungen (Conditions), Verzweigungen (Branches) und Aktionen (Actions) wie z.B. HTTP-Requests / Webhooks. Damit bildest du wiederkehrende Sales-Abläufe direkt im CRM ab, ohne ein externes Tool dazwischenzuschalten.

API und Webhooks: Twenty bietet eine vollständige REST- und GraphQL-API – jedes Objekt und Feld, das du anlegst, ist automatisch darüber erreichbar. Du kannst das CRM mit jedem anderen Tool verbinden, z.B. über Node-RED oder n8n.

HubSpot: Was bekommst du wirklich?

HubSpot startet mit einem kostenlosen Plan. Und der ist tatsächlich brauchbar – für den Anfang. Aber die Einschränkungen werden schnell spürbar:

Der kostenlose Plan

Du bekommst Kontaktmanagement (bis zu 1.000.000 Kontakte), eine einzelne Deal-Pipeline, begrenztes E-Mail-Tracking und einen Meeting-Scheduler. Der Haken: HubSpot-Branding auf allen Formularen, Landing Pages und E-Mails, nur eingeschränkter Zugriff auf Berichte – und keine Automation.

Wo es teuer wird

Die wahre Stärke von HubSpot liegt in der Marketing- und Sales-Automation – und genau die ist den kostenpflichtigen Plänen vorbehalten:

Plan Kosten/Monat Was du bekommst
Free 0 € Basis-CRM, 1 Pipeline, HubSpot-Branding
Starter ab 7 € pro Nutzer:in Kein Branding, einfache Automation, mehr Pipelines
Professional ab 90 € pro Nutzer:in Marketing-Automation, benutzerdefinierte Berichte, Sequenzen
Enterprise ab 150 € pro Nutzer:in Benutzerdefinierte Objekte, erweiterte Berechtigungen, Predictive Lead Scoring

Die Preise sind Listenpreise (ca., Stand 2026, jährliche Zahlung) – Pläne und Konditionen ändern sich, ein Blick auf die aktuelle HubSpot-Preisseite lohnt sich. Bei einem 10-Personen-Startup im Professional-Plan landest du bei rund 900 € pro Monat – über 10.000 € im Jahr. Und das ist nur das CRM, ohne Marketing Hub, Service Hub oder Content Hub.

Twenty und HubSpot im direkten Vergleich

Wo Twenty gewinnt

Kosten: Twenty ist Open Source und kostenlos nutzbar. Du zahlst für den Betrieb – nicht pro User. Ob 3 oder 30 Leute im CRM arbeiten, ändert am Preis fast nichts.

Datenhoheit: Deine Kundendaten liegen auf deinem Server oder bei einem EU-Hosting-Anbieter. Bei HubSpot liegen sie in der Cloud eines US-Anbieters – EU-Rechenzentren gibt es zwar, verantwortlich bleibt aber ein US-Unternehmen. Für DSGVO-sensible Branchen kann das ein Dealbreaker sein.

Benutzerdefinierte Objekte: Bei HubSpot erst ab Enterprise (ab 150 € pro Nutzer:in und Monat). Bei Twenty kostenlos und ab Tag eins verfügbar.

API-Zugang: Bei Twenty kostenlos und uneingeschränkt. HubSpot bietet ebenfalls eine API, allerdings mit Rate Limits, die sich nach dem gebuchten Plan richten.

Wo HubSpot gewinnt

Marketing-Automation: HubSpot glänzt bei automatisierten E-Mail-Sequenzen, Lead-Scoring, Formularen, Landing Pages und Nurturing-Kampagnen. Twenty hat seit Version 2 zwar eine eigene Workflow-Automatisierung für Sales-Abläufe, aber kein Marketing-Automation-Modul in dieser Tiefe. Wenn du komplexe Nurturing-Kampagnen fährst, ist HubSpot überlegen.

Reporting und Dashboards: HubSpot bietet im Professional-Plan mächtige benutzerdefinierte Berichte und Dashboards – Revenue-Forecasts, Conversion-Rates pro Phase, Sales-Aktivitäts-Reports. Twenty hat seit Version 2 eigene Dashboards mit Diagramm-Widgets (aktuell als Beta), reicht an HubSpots benutzerdefinierte Berichte in der Tiefe aber noch nicht heran.

Integrationen: HubSpots Marketplace hat hunderte Integrationen – von Slack über Zoom bis zu Accounting-Tools. Twenty setzt auf API und Webhooks, was flexibler, aber weniger „out of the box“ ist.

Mobile App: HubSpot hat eine ausgereifte Mobile App für iOS und Android. Twenty hat derzeit keine native App – der Zugriff läuft über den mobilen Browser.

Reife und Ökosystem: HubSpot ist ein börsennotiertes Unternehmen mit tausenden Mitarbeitenden und einem großen Partner-Netzwerk. Twenty ist ein junges Projekt mit einer wachsenden, aber noch kleineren Community.

Für wen eignet sich was?

Twenty ist die richtige Wahl, wenn du...

  • ...primär eine Sales-Pipeline und Kontaktverwaltung brauchst.
  • ...als Startup die Kosten im Griff behalten willst und keine 10.000 €/Jahr für ein CRM ausgeben kannst.
  • ...Wert auf Datenhoheit und DSGVO-Konformität legst.
  • ...dein CRM an deine Prozesse anpassen willst, statt deine Prozesse an das CRM.
  • ...bereits andere Open-Source-Tools nutzt und ein konsistentes, integrierbares Setup willst – wie es etwa unser Beitrag zum perfekten IT-Setup für dein Startup beschreibt.

HubSpot ist die richtige Wahl, wenn du...

  • ...ein Marketing-getriebenes Unternehmen bist und Marketing-Automation, Lead-Scoring und Nurturing-Kampagnen brauchst.
  • ...ein großes Sales-Team hast, das detaillierte Reports und Forecasts braucht.
  • ...viele Drittanbieter-Integrationen out of the box brauchst.
  • ...bereit bist, für ein ausgereiftes, vollständig integriertes System entsprechend zu zahlen.

Migration: Von HubSpot zu Twenty

Falls du bereits HubSpot nutzt und über einen Wechsel nachdenkst, hier die gute Nachricht: HubSpot erlaubt den Export aller Kontakte, Unternehmen und Deals als CSV. Twenty bietet einen CSV-Import und eine API, über die du Daten programmatisch importieren kannst.

Schaubild: Migration von HubSpot zu Twenty – Kontakte, Unternehmen und Deals wandern per CSV-Export und API, Automatisierungen und Landing Pages müssen neu aufgebaut werden

Was sich migrieren lässt: - Kontakte und Unternehmen (Name, E-Mail, Telefon, Adresse, benutzerdefinierte Eigenschaften) - Deals und Pipeline-Phasen - Notizen und Aktivitäten (über die API)

Was sich nicht einfach migrieren lässt: - E-Mail-Sequenzen und Automatisierungen (müssen in Twenty neu aufgebaut werden – sofern vergleichbare Features existieren) - Landing Pages und Formulare (HubSpot-spezifisch) - Detaillierte Reporting-Konfigurationen

Praxis-Tipp: Starte mit einem Parallelbetrieb. Nutze Twenty für neue Deals und behalte HubSpot für eine Übergangsphase im Lesemodus. So kannst du testen, ob Twenty für deinen Workflow reicht, ohne etwas zu verlieren.

Häufige Fragen zu Twenty und HubSpot

Kann ich Twenty ausprobieren, ohne einen Server aufzusetzen? Ja. Twenty ist selbst hostbar, es gibt es aber auch managed bei server.camp – EU-gehostet und 30 Tage kostenlos. So siehst du mit echten Daten, ob die Pipeline zu deinem Vertrieb passt, bevor du dich festlegst.

Komme ich aus Twenty wieder heraus, wenn es doch nicht passt? Ja. Kontakte, Unternehmen und Deals exportierst du als CSV, über die REST- und GraphQL-API kommst du an jedes Objekt und Feld heran. Darunter liegt eine PostgreSQL-Datenbank – deine Daten stecken in keinem proprietären Format fest. Bei HubSpot ist der Export ebenfalls möglich, aber Automatisierungen und benutzerdefinierte Eigenschaften mitzunehmen ist deutlich aufwendiger.

Brauche ich Entwickler:innen, um Twenty an meine Prozesse anzupassen? Für die üblichen Anpassungen nicht. Benutzerdefinierte Objekte, eigene Felder und Pipeline-Phasen legst du in der Oberfläche an. Aufwand entsteht erst bei tieferen Integrationen in andere Systeme – und die laufen über die API, nicht über Code im CRM.

Ist Twenty automatisch DSGVO-konform, weil es Open Source ist? Nein. Open Source gibt dir die Kontrolle darüber, wo die Daten liegen – konform wird der Einsatz erst durch den Betrieb: Serverstandort, Auftragsverarbeitungsvertrag, Verschlüsselung, Löschkonzept. Der Unterschied zu HubSpot ist, dass du diese Punkte selbst in der Hand hast.

Fazit: Ist das Open-Source-CRM das Richtige für mich?

Es kommt darauf an. Wenn du ein CRM brauchst, um Kontakte zu verwalten, Deals durch eine Pipeline zu tracken und den Überblick über deine Kundenbeziehungen zu behalten – ja, Twenty reicht da vollkommen aus. Und es reicht nicht nur, es ist in manchen Bereichen (benutzerdefinierte Objekte, API, Kosten) sogar besser als HubSpot.

Wenn du echte Marketing-Automation und ein ausgereiftes Reporting brauchst, ist HubSpot – Stand heute – das mächtigere Tool. Die Frage ist, ob du das wirklich brauchst. Viele Startups zahlen für Features, die sie nie nutzen.

Twenty entwickelt sich schnell weiter. Was heute noch fehlt, kann in einigen Monaten da sein. Und bis dahin hast du keine fünfstellige Rechnung auf dem Tisch.

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