
Du bist mit Slack im kostenlosen Plan gestartet, das Team ist gewachsen – und plötzlich verschwindet der Verlauf hinter einer 90-Tage-Grenze. Wer ältere Nachrichten lesen will, muss zahlen – und zwar pro Person, jeden Monat. Gleichzeitig liegen alle Konversationen, Dateien und Entscheidungen auf Servern, auf die du keinen Zugriff hast. Genau an diesem Punkt schauen sich viele Teams nach einer Alternative um, die sie selbst kontrollieren. Mattermost ist eine davon – dieser Artikel zeigt, wie der Umzug abläuft, was Mattermost besser kann, wo es hinterherhinkt und was der Wechsel finanziell bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Datenhoheit statt Lock-in: Mattermost läuft auf deiner eigenen Infrastruktur oder bei einem Hoster deiner Wahl – du entscheidest, wo deine Chats liegen.
- Unbegrenzter Verlauf: Es gibt keine 90-Tage-Grenze. Auch in der kostenlosen Team Edition durchsuchst du die komplette Historie und verlierst nicht Teile deiner Nachrichten.
- Migration ist möglich, aber kein Ein-Klick-Vorgang: Slack-Export, Konvertierung mit
mmetl, Import mitmmctl– Channels, Verlauf und Nutzer:innen ziehen mit um. - Mattermost ist Open Source: Die Team Edition steht unter MIT-Lizenz und kann kostenlos selbst gehostet werden.
- Wo Slack vorn liegt: Beim App-Ökosystem, bei Huddles und Canvas – das ist vor dem Umzug gut zu wissen.
Warum überhaupt weg von Slack?
Slack ist ein durchdachtes Produkt, daran gibt es nichts zu rütteln. Drei Gründe bewegen Teams aber regelmäßig zum Wechsel.
Erstens der Verlauf. Im kostenlosen Slack-Plan siehst du nur die letzten 90 Tage an Nachrichten und Dateien (Stand Oktober 2026). Ältere Inhalte bleiben gespeichert, sind aber nicht mehr abrufbar, bis du auf einen kostenpflichtigen Plan wechselst. Für ein Team-Wissensarchiv ist das ein echtes Problem.
Zweitens die Datenhoheit. Deine Konversationen liegen in der Cloud eines US-Anbieters. Für Vereine, Agenturen und kleine Unternehmen mit DSGVO-Anforderungen ist das oft ein Streitpunkt – gerade wenn sensible Kund:innendaten durch den Chat laufen.
Drittens die Kosten, die mit jeder Person mitwachsen. Dazu unten mehr.
Mattermost setzt genau hier an: Du betreibst es selbst, behältst deinen kompletten Verlauf und zahlst nicht pro Kopf, sondern für die Infrastruktur. Wir haben Mattermost schon im Beitrag Das perfekte IT-Setup für dein Startup als Slack-Alternative empfohlen – hier gehen wir in die Tiefe.

Feature-Vergleich: Slack vs. Mattermost
Die Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.
| Aspekt | Slack | Mattermost |
|---|---|---|
| Hosting | nur Slack-Cloud | Self-Hosted oder managed |
| Datenhoheit | bei Slack/Salesforce | bei dir |
| Nachrichtenverlauf | im Free-Plan 90 Tage | unbegrenzt |
| Lizenz | proprietär | Team Edition unter MIT |
| Kosten | pro Person/Monat | Infrastruktur statt pro Kopf |
| App-Ökosystem | sehr groß | kleiner, aber wächst |
| Audio/Video | Huddles, Clips | Calls (Audio + Bildschirmfreigabe), externe Tools |
| Canvas/Notizen | Canvas integriert | kein natives Pendant |
| Webhooks/Bots | umfangreich | umfangreich |
| Slash-Commands | ja | ja |
Wichtig: Die kostenlose Team Edition von Mattermost ist für Teams bis etwa 250 aktivierte Nutzer:innen gedacht und bringt kein integriertes Single Sign-On mit. Nachrüsten lässt es sich mit unserem quelloffenen Mattermost OIDC Plugin (Apache-2.0), das OpenID-Connect-Login gegen einen Identity Provider wie Authentik ermöglicht. Im Browser und in der Desktop-App funktioniert das direkt, für die native Mobil-App braucht es eine zusätzliche Komponente – im managed Mattermost ist sie schon eingerichtet.
So läuft die Migration ab
Der Umzug ist machbar, erfordert aber ein paar Handgriffe. Mattermost stellt dafür zwei Werkzeuge bereit: mmetl wandelt den Slack-Export um, mmctl spielt ihn in den Server ein. Beide laufen auf deinem eigenen Rechner – mmctl spricht über die API mit dem Server, du brauchst also keinen Zugriff auf den Host, nur einen Admin-Account. Das funktioniert auch gegen eine managed Instanz.

Schritt 1: Slack exportieren
In den Slack-Workspace-Einstellungen findest du den Export. Der Standard-Export umfasst die öffentlichen Channels mit Nachrichten und Threads – Dateien stecken darin nur als Links, die mmetl auf Wunsch nachlädt. Private Channels und Direktnachrichten gibt es erst ab Business+ und nur auf Antrag bei Slack. Heraus kommt eine ZIP-Datei mit JSON-Daten.
Schritt 2: Mit mmetl umwandeln
Der Slack-Export passt nicht direkt in Mattermost. Das Tool mmetl liest die ZIP-Datei und erzeugt eine mattermost_import.jsonl plus einen Ordner mit den Anhängen. Beides packst du anschließend gemeinsam in ein neues ZIP.
Praxis-Tipp: Lege das Ziel-Team vorher in Mattermost an und erlaube den Beitritt, sonst schlägt der Import fehl. Validiere den Export zuerst mit mmctl import validate, bevor du ihn produktiv einspielst.
Schritt 3: Mit mmctl importieren
Mit mmctl lädst du das vorbereitete ZIP hoch und startest den Import-Job. Den Status fragst du über mmctl import job show ab. Bei größeren Workspaces dauert das eine Weile – und in der Praxis braucht es manchmal mehrere Anläufe. Plane den Umzug also nicht für den Freitagnachmittag ein.
Was sauber mitkommt: Channels, der Nachrichtenverlauf inklusive Threads sowie die Nutzer:innen mit ihren Basisprofilen.
Schritt 4: Webhooks, Bots und Slash-Commands
Integrationen wandern nicht automatisch mit. Deine Slack-Apps, Webhooks und Slash-Commands musst du in Mattermost neu aufsetzen. Die gute Nachricht: Mattermost verfolgt ein sehr ähnliches Konzept. Eingehende und ausgehende Webhooks, Bot-Accounts mit eigenem Token und Slash-Commands gibt es alle – du legst sie über die Integrationsmenüs neu an und hinterlegst die URLs bei deinen Diensten. Viele Tools, die Slack unterstützen, bieten ohnehin auch einen Mattermost-Endpunkt an.
Was Slack besser kann
Es gibt Punkte, bei denen Slack vorne liegt – gut, sie vor dem Umzug zu kennen.
- App-Ökosystem: Slacks App-Verzeichnis ist deutlich größer. Für Mattermost gibt es solide Integrationen mit GitHub, GitLab, Jira und Co., aber nicht jede Nischen-App hat ein Gegenstück.
- Huddles und Clips: Slacks spontane Audio-Räume und kurze Video-Clips sind beliebt. Mattermost bringt über ein Plugin Audio-Calls mit Bildschirmfreigabe mit, allerdings ohne Webcam-Bild; Gruppen-Calls in Channels gibt es erst in den kostenpflichtigen Editionen. An den Komfort von Huddles kommt das nicht ganz heran.
- Canvas: Slacks integrierte Notiz- und Dokumentflächen haben in Mattermost kein direktes natives Pendant.
Was kostet der Wechsel?
Slack rechnet pro aktiver Person und Monat ab. Der Pro-Plan kostet 6,75 € pro Person und Monat bei jährlicher Zahlung, Business+ kostet 15 € (Stand Oktober 2026). Monatliche Zahlung ist jeweils teurer: 8,25 € für Pro, 18 € für Business+.
Hochgerechnet heißt das: Ein 30-köpfiges Team kostet im Pro-Plan rund 200 € pro Monat, im Business+-Plan 450 bis 540 € – jeden Monat, und der Betrag steigt mit jeder neuen Person.
Mattermost dreht diese Logik um. Die Team Edition ist Open Source und kostenlos – du zahlst für den Server, auf dem sie läuft, nicht pro Kopf. Ob fünf oder fünfzig Leute dazukommen, ändert an den Infrastrukturkosten erst mal nichts. Wenn du den Betrieb nicht selbst stemmen willst, übernimmt ein managed Mattermost bei server.camp Hosting, Updates und Backups – mit Servern in Deutschland.
Häufige Fragen zu Slack und Mattermost
Kann ich meinen kompletten Slack-Verlauf mitnehmen? Das hängt von deinem Slack-Plan und dem Export ab. Channels, Nachrichten, Threads und Dateien lassen sich migrieren. Wenn dein Slack-Workspace im Free-Plan läuft, sind nur die letzten 90 Tage über die Oberfläche zugänglich – exportiere also rechtzeitig, bevor ältere Inhalte verschwinden.
Ist Mattermost wirklich kostenlos? Die Team Edition steht unter der MIT-Lizenz und ist frei nutzbar, gedacht für Teams bis etwa 250 aktivierte Nutzer:innen ohne integriertes SSO. Kosten entstehen für den Betrieb – also Server, Wartung und Backups, ob selbst gemacht oder als managed Service.
Kann ich Mattermost mit Single Sign-on verwenden? Ja, über einen kleinen Umweg: das mattermost-oidc-plugin Plugin ermöglicht SSO auch ohne Professional- oder Enterprise-Lizenz.
Muss ich meine Slack-Bots und Webhooks neu bauen? Ja. Integrationen wandern bei der Migration nicht automatisch mit. Mattermost unterstützt aber Webhooks, Bot-Accounts und Slash-Commands nach einem sehr ähnlichen Prinzip, sodass du bestehende Automatisierungen meist mit überschaubarem Aufwand nachbaust.
Fazit
Der Umzug von Slack zu Mattermost ist kein Knopfdruck, aber ein gut dokumentierter Weg: Export, Umwandlung mit mmetl, Import mit mmctl – und Channels, Verlauf sowie Nutzer:innen sind drüben. Integrationen wie Webhooks, Bots und Slash-Commands setzt du einmalig neu auf.
Was du dafür bekommst, ist mehr als eine andere Chat-Oberfläche: Du holst dir die Kontrolle über deine Daten zurück, befreist deinen Verlauf von der 90-Tage-Grenze und ersetzt eine Pro-Kopf-Abrechnung durch planbare Infrastrukturkosten. Das macht sich gerade bei wachsenden Teams Monat für Monat bemerkbar.
Mattermost ist dabei kein 1:1-Klon von Slack. Beim App-Ökosystem, bei Huddles und Canvas fallen Abstriche oder Workarounds an. Wenn deine wichtigsten Workflows aber Chat, Channels, Suche und ein paar solide Integrationen sind – und das trifft auf die meisten Teams zu – dann ist der Wechsel eine Überlegung wert. Mit dem eigenen Slack-Export lässt sich das im Test am schnellsten einschätzen.